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Zuckerfrei - what the fuck is this?

Ich lebe zuckerfrei, wo immer es geht und mir die Nahrungsmittelindustrie keinen Strich durch die Rechnung macht. Ist gar nicht so einfach, wenn man das Kleingedruckte mal ganz genau liest. Und wenn man sich dann noch tiefer in die Materie begibt, dann wirds erst recht nur noch ein Chaos. Ehrlich, nicht einfach, das zu durchblicken.

Ich mach da keine Religion drauß und habe mir, wie auch bei den anderen Sachen mein eigenes Konzept daraus gebastelt.

 

Mein Motto: Zuckerfrei muss zu meinem Leben passen und nicht mein Leben zu Zuckerfrei. Und damit fahre ich bisher ganz gut.

  • Rohrohrzucker
  • Haushaltszucker
  • Birkenzucker / Xylit
  • Stevia
  • Erythrit
  • Maltit / Sorbit / Isomalt
  • Honig
  • Agavendicksaft
  • Reissirup
  • Dattelsirup
  • Birnenmus
  • Kokosblütenzucker

Und das ist nur ein kleiner Ausschnitt, den ich auch persönlich schon mal probiert / gegessen habe. Dabei gibt es noch soviel mehr davon. Wir erkennen das meist nur nicht, weil es unaussprechliche Namen auf dem Etikett hat.

 

Als ich beschlossen habe, das ich viel weniger Zucker in meinem Leben möchte, viel mir das am Anfang überhaupt nicht leicht. Ich war ein Zuckerjunkie, der in seine Tasse Kaffee gut und gerne 4 - 5 gehäufte TL Haushaltszucker gegeben hat. Und mir war schlecht danach, so richtig kotzübel. Und trotzdem war die Sucht so groß, das es mit weniger Zucker einfach nicht funktionieren wollte.

 

Das erste Mal in meinem Leben kam ich mit Mitte 30 in Kontakt mit Stevia. Damals noch als Pulver und nur in Reformhäusern erhältlich, weil noch nicht als Lebensmittel zugelassen. Damals hatte es auch noch den starken Geschmack nach Lakritze und war überhaupt nicht zu Dosieren. Eine Messerspitze davon war schon viel zu viel und nicht geniessbar. Das kleine Döschen mit 10g habe ich nie aufgebraucht und Jahre später aus irgendeiner alten Handtasche gezogen.

 

Mein Versuch vom Zucker loszukommen ging in meinen 30igern also gründlich daneben. Ein zweiten und entgültigen Versuch habe ich nach meiner Schlauchmagen-OP gewagt. Gleich nach der OP war alles was auch nur den Hauch von Süße hatte, für mich ultrasüß und nicht geniessbar. Nur den Kaffee, den konnte ich weiterhin nicht ohne Zucker. Aber ich fing damals an, den Zucker Teelöffel für Teelöffel zu reduzieren. Irgendwann nach einigen Monaten war mein Kaffee komplett zuckerfrei. Das hätte ich nie im Leben gedacht, das ich das mal schaffen würde.

 

Das war dann auch der eine Stein, der vieles in meinem zuckrigen Leben ins Rollen gebracht hat. Ich habe von dem Moment an grundsätzlich weniger süß gegessen und gebraucht. Schokolade war sicherlich 1 Jahr nach der OP ungeniessbar für mich. Hat sich natürlich wieder geändert.

 

Mit dem Zusammenzug / Umzug mit meinem Mann ging es dann in die vollen. 2019 kam zuerst Birkenzucker und dann Erytrit ins Haus. Anfangs habe ich mich nicht recht an die neuen Zuckersorten herangetraut und sie standen Monate unangetastet im Schrank. Aber ich fing dann an die Salatdressings mit Agavendicksaft, anstatt mit Haushaltszucker anzurühren. Und siehe da, geschmacklich kein Unterschied für mich gewesen.

 

Irgendwann habe ich Teile des Haushaltszuckers beim Backen mit Birkenzucker ausgetausch. Anfangs nur sehr wenig und nach Monaten dann komplett. Den langsamen Umtausch habe ich deswegen so vollzogen, das die Geschmacksnerven einfach nicht so eine große Umstellung haben und ich wollte wissen, ob wir den neuen Zuckerersatz auch vertragen. Magen-Darm und so.

 

Birkenzucker hat auch Kalorien, aber hat deutlich weniger Süßkraft als Zucker. Nichts desto trotz tausche ich ihn 1:1 aus. Unsere Kuchen sind zwischenzeitlich viel weniger süß und wir geniessen das. Wenn wir Kuchen außer Haus essen, bekommen mein Mann und Ich inzwischen beide Probleme danach. Müdigkeit, Übelkeit, teilweise Verdauungsbeschwerden.

 

Ich hatte auch schon Sachen mit Maltit hier. In der Schokolade vertrage ich Maltit. In Gummibärchen ist es ohne Scheiß der Horror für mich. Ich blähe dann so dermaßen auf, das mein Bauch wie eine gefüllte Trommel ist, jeder Schritt innerlich weh tut und ich über Stunden Kolliken habe. ABER, das musste ich erst einmal herausfinden. War mir anfangs nicht sicher, ob es die Gummibärchen, das Sauerkraut oder die Kombination von Beiden war.

 

Ich habe viel getestet und ich habe inzwischen eine Vorliebe für:

  • Birkenzucker beim Backen
  • Agavendicksaft beim Kochen
  • teilweise Erythrit beim Backen
  • Reissirup beim Kochen entwickelt

 

Ihr seht schon, nicht jeder Zucker kommt bei uns überall rein.

 

Mit der Verwendung des Birkenzuckers hat sich auch ganz automatisch eingestellt, das wir hier im allgemeinen viel weniger Süß essen und trinken. Wenn ich mal selbst einen richtigen Vanillepudding mache, dann schmeckt der auch ordentlich nach echter Vanille und weniger wie ein Honig- oder Zuckertopf.

 

Vor wenigen Wochen war ich noch ganz begeistert von zuckerfreien Naschereien, wie Schokolade oder eben Gummibärchen. Vor einiger Zeit habe ich hier so eine Art Raffaello, Gummibärchen und Bounty selbst gemacht. Seitdem ist mir die fertige Schokolade und die Gummibärchen auch zu süß. Ich bestimme inzwischen gerne selbst, wie süß es für uns sein darf. Und wenn ich eine reife Wassermelone als sehr süß empfinde, dann weiß ich, das mein Süß-Tick inzwischen deutlich abgeflacht hat.

 

So selbstgemachte Süßigkeiten mache ich zum Beispiel mit Erythrit. Aber ich habe bemerkt, ich muss da höllisch aufpassen, weil ich es dann lieber nach Kokos schmecken mag oder so richtige Fruchtsaftgummibärchen, aber eben weit von zuckrig.

 

Die Umstellung von Zuckerfrei ist bei mir noch lange nicht abgeschlossen. Ich werde nicht die Kühltheken durchforsten und jetzt gucken wo überall Zucker zugesetzt ist, wenn ich mir TK-Obst hole. Aber steht offentsichtlich "ohne Zusatz von Zucker" drauf, dann kauf ich ganz klar den zuckerfreien Beutel. Ich mach da jetzt aber auch keine Religion drauß.

 

Nimmt man von zuckerfrei eigentlich ab? Ne! Das kann ich ganz klar so beantworten. Außer du steigst komplett auf Süßstoffe um. Mit Süßstoffe ist aber schlecht backen.

 

ABER, mir habe diese Zuckeralternativen dabei geholfen, einen neuen Blickwinkel zu bekommen. Ich mag es nach Jahren deutlich weniger süß. So süß wie früher - ich würde im Strahl kotzen. Geht gar nicht mehr. Meine Haut ist besser geworden, seit ich auf raffinierten Zucker verzichte. Wenn ich für außer Haus Backe, nehme ich eine Kombi von Erythrit und Birkenzucker her. Dann ist es süß wie immer, aber man schmeckt nicht raus, das es kein Haushaltszucker ist. Es fällt meinen Gästen nicht auf und ich erwähne es auch nicht. Anfangs dachte, ich müsste das machen, aber  ..... mein Ding muss nicht zu deren Ding werden. Ich habs nach langer Zeit auch kapiert.

 

Meine zuckerfreien Raffaellos sind auf alle Fälle der Hit.

 

Eigentlich will ich nur denjenigen unter euch Mut machen, die es schon mehrmals versucht haben und es nie bis zum Ende geschafft haben. Probiert es noch einmal. Probiert euch durch ganz viele Alternativen durch. Fangt ganz klein an, tauscht immer nur ein wenig aus und nehmt euch Zeit. Ist doch egal, ob man heute, nächste Woche, nächsten Monat oder erst im nächsten Jahr zuckerfreier lebt. Hauptsache man lebt überhaupt irgendwann mit weniger raffinierten Zucker. Hauptsachte die Geschmacksknopsen dürfen überhaupt irgendwann wieder weniger süß schmecken und geniessen. Das ist kein Wettbewerb, es geht nur um euch und nicht um einen Zeitpunkt.

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