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Verhaltenstherapie - wie geil war das denn?

Das war im Wartezimmer meiner Therapeutin. Die hat ja diese geilen Drehsessel, mit denen man sich gemütlich zurücklehnen kann. Ich versuche da, in der Wartezeit immer zur Ruhe zu kommen und mache eine kurze Atemmediation für mich. Heute war ich allerdings besonders aufgerecht - warum auch immer. Und so habe ich einfach kurz einen Schnappschuss von mir gemacht. Auch eine Art, sich die Zeit des kurzen Wartens zu vertreiben.

Wenn ich rein komme in ihr Zimmer, gehen wir immer erst kurz durch, die die letzte Woche war. Die letzte Woche war besser, als all die anderen Wochen zuvor. Endlich wechseln sich die schlechten Zeiten wieder mit den besseren Zeiten ab. Also, ich meine in mir drin. Den äußerlich wechseln sie sich für meine Umwelt ja ständig ab. Und im Außen haben die guten Zeiten für mein Umfeld auch immer die Oberhand. In mir drin, da kann das ganz anders aussehen.

 

Aber jetzt kommt endlich wieder etwas Farbe in mein seelisches Gleichgewicht und beide Seiten sind wieder da. Das ist gut - das tut gut!

 

Nach dem kurzen Wochenrückblick sind wir dann gleich auf die aktuelle (Gefühls)situation eingangen und haben uns ein Thema herausgefischt, das mich im Augenblick besonders belastet.  Und das ist meine innere Aggression, die einfach auftaucht und nicht verschwinden will. Das gab es in meinem früheren Leben in der Augeprägtheit und Intensität nie.

 

Und dann kam die große Stunde - die Stunde des EMDR´s. Eigentlich so simple und doch so komplex in Einem.  Wir saßen und versetzt gegenüber und sie hat mir gesagt, ich solle mir eine aktuelle Situtation vorstellen, die diese Aggression in mir auslöst. Als ich das hatte, hat sie mich gefragt, wo genau ich das Gefühl der Agression spüre und wie es sich anfühlt. Bei mir war es ein großer, runder Ball voller Wut und Wucht im Solarplexus. Dann hat sie mich nach der Intensität des Gefühls anhand einer Zahlenskala gefragt. Das stand richtig weit oben bei mir. Ich bin da also voll in der Wut drin. Diese Intensität und den Sitz des Gefühls sollte ich nun im Auge behalten und gleichzeitig ihre zwei Finger mit den Augen verfolgen.

 

Die gingen dann immer von rechts nach links in einer schnellen Bewegung. Und was dann kam, das lässt sich schwer beschreiben. Zu erst hat das Gefühl echt extrem zugenommen und ich war zum zerplatzen wütend und agressiv. Dann fing mein ganzer Körper an sich zu verspannen. Sie hat zwischendurch immer wieder mit den Bewegungen aufgehört und mich gefragt, was jetzt gerade da ist, was da vorgeht in mir. Und ich sollte ihr nur sehr kurz antworten, damit ich nicht bewusst zu denken anfange.

 

Das nächste Gefühl war, das plötzlich meine Muskeln zu zucken anfingen. Das war richtig komisch und ich habe mich im stillen immer wieder gefragt, ob ich das selbst willentlich mache. Meine Fingernägel fingen an sich in das Handinnere zu krallen, ohne das ich das wollte und alles wurde noch eine Spur aggressiver.

 

Nach ein paar Minuten, in denen meine Augen ihren beiden Fingern hin und her gefolgt sind, kam dann eine Ruhe. Meine Muskeln entspannten sich nach und nach und mit dem Entspannen kam so ein innerer Frieden mit sich. Sie hat immer wieder unterbrochen und nachgehakt. Aus dem inneren Frieden wurde eine innere Ruhe und ganz langsam eine Gelassenheit und am Ende eine leichte Unbeschwertheit.

 

Ich bin immer noch geplättet und habe sie danach ausgefragt, wie das sein kann. Das ein Gefühl so einfach verschwindet und durch ein anderes Gefühl (das ich mir vorher ausgesucht hatte) ersetzt werden kann. Das hat wohl irgendwas mit den Neuronen im Hirn zu tun, die durch die Bewegung der Augen und dem ganzen anderen Dingen die man da denken und machen soll, in Bewegung setzt. Es werden im Hirn in der Zeit anscheind wirklich neue Netze / Verknüpfungen angelegt.

 

Manchmal klappt es mit einem Thema so schnell, wie bei mir heute. Das andere Mal, hat sie gemeint, sitzen wir mehrere Therapiestunden über ein und dem selben Thema. Aber am Ende kann man alte Muster löschen und neue Verknüpfungen aufbauen.

 

Sie hat mir noch gesagt, das wir uns jetzt erst einmal auf die Gegenwart konzentrieren, damit ich stabil bin. Dann sehen wir uns die Vergangenheit an, und was früher und in meiner Kindheit nicht ganz optimal lief. Und am Ende wollen wir in die Zukunft denken und auch dort ein paar neue, gute Muster setzten.

 

Ich bin wirklich noch platt. Und war war ich heute Mittag dann auch so platt, das ich zwei volle Stunden im Tiefschlaf auf dem Sofa verbracht habe. Mein Mann hat gemeint, ich habe mich keinen Quadratzentimeter bewegt, als ich schlief. *ggg*

 

Meine Therapeutin hat mir das vorausgesagt, weil diese Art der Arbeit sehr anstrengend ist, auch wenn es sich währenddessen nicht so anfühlt.

 

Und ich, ich habe Heute das erste Mal das Gefühl, das ich mit dieser Therapeutin den absolut entscheidenden Schritt zur kompletten Heilung gemacht habe. Nicht mehr nur Reden, Bewegen oder Tabletten als Therapie, sondern aktive Arbeit mit dem erkrankten Organ - meinem Hirnstoffwechsel. Wir gehen an die Wurzel und behandeln endlich nicht mehr nur die offensichtlichen Symptome oder übertünchen (Medikamente) die Symptome.

 

Und hier noch frisch aus der Bilderpresse der letzten 2 Wochen.

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Kommentare: 2
  • #1

    Inga (Mittwoch, 24 März 2021 19:54)

    Das klingt soooooo interessant! Ich würde das auch total gerne machen, aber ich finde keine*n Therapeuten*in, der/die das macht.
    Ich wünsche Dir, dass Du jetzt Deinen Heilungsweg gefunden hast!

  • #2

    Micha (Mittwoch, 24 März 2021 20:07)

    Mensch Inga,
    ich wünschte so sehr, das du jemanden findest, der das kann. Ich habe das in den stationären Therapien nie bekommen, weil ich Kassenpatientin bin. Mit der neuen Therpeutin hab ich echt Schwein, um ehrlich zu sein. Ich war heute voll geplättet und bin es immer noch.
    Ich habe schon gar nicht mehr daran geglaubt.
    Und ich hoffe, das du das auch erleben darfst!!!!