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Wenn Kontrolle krankhaft wird...

Das Thema meiner vorletzten und meiner heutigen Sitzung bei meiner Therapeutin. Ich will die Kontrolle, um jeden Preis. Und zwar immer dann, wenn es um mein Essverhalten, meine Figur und mein Bewegungsverhalten geht.

Die drei "Essen - Figur - Bewegung" sind Zuckerbrot und Peitsche in einem. Ich kann mich in diesen Bereichen belohen aber auch bestrafen. Wobei das nur noch eine Frage der Zeit ist, den mit jeder Sitzung wird es einfacher für mich, all das loszulassen.

Das ist alles irgendwie sehr kompliziert auszudrücken und noch mehr, es zu schreiben. Ich versuche es mal an Hand meiner Essstörung. Es betrifft aber nicht nur meine Essstörung, sondern es ist 1zu1 auf meine Depressive Erkrankung übertragbar.

 

Ich habe ja immer voll die Angst, das ich von Heute auf Morgen wieder dick bin. Eine unrealitische Angst, weil von Heute auf Morgen geht das schon gleich gar nicht. Aber gut.

Wenn ich mich Kontrolliere, gibt es mir das Gefühl, das ich die Oberhand über mein Essverhalten, meine Figur oder mein Leben habe.

 

Wenn ich es schon nicht mehr in meiner Hand habe, ob ich Arbeitsfähig bin, welchen Urlaub ich mache, ob ich mir etwas Kaufen kann, wie andere über mich denken ...... BlablaBlubber ....... das spielt sich alles in meinem innersten Hirn und bei meinen Emotionen ab. Ich selbst mag das überhaupt nicht und es ist mir in klaren Momenten auch ziemlich wurscht und ich stehe darüber.

 

Egal, wenn ich also kontrolliere wann ich esse, wieviel ich esse, was ich esse ..... dann gibt mir das ein ziemlich gutes Gefühl. Es fühlt sich gut für mich an, wenn ich viel Obst, Gemüse, saisonal, zuckerfrei, weiß der Geier wie esse. Natürlich esse ich so in erster Linie, weil es mir genauso schmeckt, wie ich es esse. Aber es erfüllt eben auch einen nicht unbedeutenden Nebenfaktor, der ist nicht zu verachten.

 

Wenn ich dann also mal was esse, was ich vorab nicht so geplant habe, dann bringt mich das seelisch in eine echte Zwickmühle. Egal ob das jetzt das Stück extra Obst ist oder der kleine Nachschub auf dem Teller. WEIL; ich hatte das vorher ja nicht so geplant und dann habe ich sofort Angst, das mir wieder alles entgleitet.

 

Planze ich das Stück Kuchen, das Eis, den Auflauf ganz regulär in meinen Tagesplan ein, ist alles vollkommen Paletti und ich geniesse jeden einzelnen Bissen davon.

 

Geplant --- da kann es gerne jede vermeintliche Sünde sein (Esssünden gibt es nicht - die Dosis macht das Gift), das juckt mich nicht die Bohne!

 

Ungeplant --- da kann die Paprika noch so frisch und wasserhaltg sein, ungleplant ist ungeplant und verursacht große innere Vorwürfe.

 

Es ist also nicht einmal das Lebensmittel ansich, sonder eben dieses "geplante- ungeplante", was mir richtiggehend seelische Schmerzen bereitet.

 

Habe ich dann mal ungeplant gegessen, dann macht sich ein wirklich unguter Ehrgeiz in mir breit. Ich will mich auf alle Fälle bewegen und war hart und schnell und so das mir der Schweiss in Strömen fliesst. Und ja, auch hier ist es vollkommen Schnurz ob es das extra Stück Obst war oder der zuckerfreie Cookie. Ungeplant ist ungeplant und mein Innerstes will es nun Ausgleichen. Ich habe dann auch das Gefühl, das ich mich selbst mit Sport strafe. Gleichzeitig fühlen sich die Klamotten am nächsten Tag schon wieder viel enger an, wohlwissen das das nur Einbildung ist. Die Macht meiner festgefahrenen Muster sitzt da aber so extrem tief und sattelfest, dagegen komme ich ohne Hilfe nicht an.

 

Und dann will ich ganz nebenbei auch noch alles Perfekt machen. Ich will perfekt backen, kochen, sporteln, diäten, schlanksein, Partnerin sein, Leihfreundin für die Kinder meines Partner sein, Schwester, Tochter, Freundin. Alles immer schön in meiner eingebildeten Perfektion, die anderen so gar nicht wichtig ist.

 

Darum tut mir ja erstaunlicher Weise Instagram so gut, für den Augenblick. Irgendwie lege ich da überhaupt keinen Wert auf Perfektionismus und zeige mich faltig, unsportlich, meine BackFails, meine Null-Bock-Phasen, mein depressives Geheule. Instagram und hier, das sind meine beiden Überdruckventile. Hier kann ich mich hinter Worten und Bilder verstecken, selbst wenn man mein Gesicht sieht. Das hilft mir extrem, gerade in den harten Phasen.

 

Vorletzte Woche sind wir meinen Zwang nach unbedingter Kontrolle und Perfektion angegangen. Haben das Muster aber nicht ganz löschen können. Mit dem Ende der Therapie standen wir bei unserer EMDR-Session bei meinen Emotionen: Resignation mit nachschwingender Wut auf mich selbst, das ich mir das alles antue. Davor waren: Scham über das was ich tue, absolute Aggression über mein eigenes Verhalten, tiefe Trauer ...... ich kann es gar nicht mehr alles aufzählen.

 

So bin ich vorletztes Mal also raus aus der Therapie. Natürlich haben wir versucht die Emotion in einen Safe zu packen, hat fast funktioniert. Aber ich war von Mittwoch bis gestern unglaublich müde, traurig und hatte eine tiefe Resignation in mir, das ich das niemals schaffen kann.

 

Heute ging es dann weiter mit der Kontrolle und dem Perfektionismus und wir haben das Muster abschliessend bearbeiten können. Geblieben sind: Zuversicht, innerer Frieden und das ich nicht mehr alles in meinem Leben Kontrollieren muss, weil ich sowieso nie alles im Leben kontrollieren kann.

 

Ich bin mit einem friedlichen, glücklichen, gelassenen Gefühl aus der Therapie herausgegangen. Und nachdem diese meine dritte Stunde EMDR war, weiß ich nun auch, das dieses Gefühl so (erst einmal) anhalten wird. Die Gelassenheit vielen Dingen gegenüber ist auch nach 4 Wochen immer noch da. Also baue ich darauf, das es mit der Kontrolle und dem Perfektionismus ebenso sein wird.

 

Ich werde sehen, was das mit meinem Ess- und Bewegungsverhalten anstellen wird. Ich werde sehen, ob ich meinem Spiegelbild zukünftig wohlwollender entgegenblicken kann. Ob sich meine eng gesteckten Grenzen langsam weiten werden und ich Dinge die mich angehen, auch mal geschehen lassen kann. Ich bin da Grundoptimitisch eingestellt.

 

Wenn es interessiert, ich habe heute noch etwas wegen Lust auf Sport in Instagram geschrieben. Ich habe da so meine kleinen Tricks, weil feste Sportdates bei mir noch nie etwas gebracht haben.

 

 

Hier gehts zu meinem Instagram Beitrag.

 

Dafür habe ich heute Morgen extra kurz diese Bilder gemacht. Sie erklären sich mit dem Instagram Beitrag von ganz alleine ;-). Ich freue mich ehrlich, wenn ich auch dort von euch begleitet werde.

 

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