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Sportliche Zwangspause

Nicht nur für meine Essstörung (nachfolgend ES geschrieben) sondern auch für mein seelisches Wohlbefinden.

 

Nie in meinem Leben hätte ich jemals gedacht, das ich das Schreiben oder auch nur ansatzweise so empfinden könnte: ich vermisse den Sport - die Bewegung!

Ich brauche Ihn inzwischen wie die Luft zum atmen und Bewegung / Sport erfüllt mehrere Kompontenten für mich.

 

Von vorne:

Seit zwei Tagen plagen mich Schmerzen auf der linken Seite, unterste Rippe. Da heute eh ein Check-Up bei meinen Hausarzt anstand und dort automatisch ein Ultraschall gemacht wird, haben wir uns auch das Schmerzgebiet vorgenommen. Es galt auszuschliessen, das etwas mit Milz oder Niere ist. Beide Organe sind "Gott sei gedankt" gesund und in Ordnung.

 

Aber ich habe mir eine Knochenhautentzündung am untersten, linken Rippenbogen zugezogen. Wohl von meinem zu wilden HulaHoop Sessions. Also, auch noch ein hausgemachtes Problem, das mind. 1 wohl eher 2 Wochen andauern wird, bis es komplett ausgeheilt ist.

 

Bei Bewegung ist es so: nur wenn ich bis zur Erschöpfung ausgepowert bin und mein Herzschlag zwischendurch zum Rasen gebracht wurde, habe ich das Gefühl: ja, das war jetzt mal netter Sport.

Ich treibe meinen Körper also ganz schön an. Ich mag es halt kurz, aber dafür sportlich etwas heftiger. Ich bin keine Freundin von lang andauernden Sportsessions, das langweilt mich zu schnell und ich lasse es dann lieber ganz bleiben.

 

Also dreht mein Hula-Reifen immer schnell und mit ganz viel Schwung um meine Hüften und hat so anscheinend eine heftige Knochenhautentzündung hervorgerufen.

 

Trampolin, Vibrationsboard, Fitnessbänder, Übungen mit dem Körpergewicht .... man müsste meinen, es gäbe genug Möglichkeiten für mich. Ist nur so, es schmerzt beim: sitzen, gehen, liegen, heben. Es schmerzt also bei jeder Bewegung und Sport ist komplett gestrichen, bis es wieder ausgeheilt ist.

 

Habe eben kurz mal mit dem leichtesten Reifen 3 Ründchen langsam gedreht - geht gar nicht, mir bleibt die Luft weg, so weh tut das gerade.

 

Ich bin ärztlich still gelegt worden und ich find das Scheisse. Mit einer ES ist es wie mit einem Alkoholiker. Er oder Sie ist ein trockener Alkoholiker und ein Rückfall bei Versuchung ist nie ausgeschlossen. So ist es eben mit einer ES auch. Zumal ich ja gerade nur teilweise eine trockene ES bin. Ich missbrauche keine Laxativa und habe mir selbst auch das Verbot auferlegt, solche Abführmittel im Haus zu haben.

 

Ich esse regelmässige Mahlzeiten, schon alleine deswegen, weil

  • erstens mein Mann dabei ist und weil ich
  • zweitens: inzwischen aus weiß das mein Körper mit Nährstoffen versorgt werden muss!

 

Sport hat inzwischen wichtige Funktionen für mich:

 

  • Er ist ein Ausgleich und lässt mich abreagieren, wenn ich wütend oder gestresst bin.

  • Wenn ich traurig bin oder eine mittlere Depressionswelle naht, dann hilft mir mein Lieblingsport (Trampolin und HulaHoop), das ich mich besser und fröhlicher fühle. Er hebt meine Stimmung deutlich und flutet meinen Körper mit guten Endorphinen.
  • wenn eine schwere Depression akut ist, lenkt mich mein Lieblingssport ab und hilft mir schneller aus der Depression heraus
  • er powert mich aus, so das ich Nachts besser schlafen kann zur Ruhe komme und die Grübelfalle nur noch wenig Chancen hat. Ein aufgeregter Geist hat in einem müden Körper nur noch wenig Chancen, sich lange aufzubäumen.
  • UND: ich esse gerne, sehr gerne und habe auch kleine Snacks zwischendurch. Mein Sport hilft mir dabei, das ich mein Gewicht viel leichter halten kann.
  • Dadurch das ich sportlicher bin, esse ich inzwischen auch ohne schlechtes Gewissen meine zuckerfreien, selbstgemachten Kuchen und Kekse

Sport hat also eine wichtige Rolle in meiner schützenden Funktion gegen die ES übernommen. Und diese schützende Funktion kann ich nun für 1-2 Wochen nicht in Anspruch nehmen. Ich habe schon viel an mir gearbeitet, stehe aber noch immer am Anfang. Den bisher habe ich ja nicht mit allen Konsequenzen an meiner ES und Depression gearbeitet, weil die Therapien das nicht für mich hergegeben haben.

 

Ich habe Respekt vor den kommenden Tagen und frage mich, ob ich schon genügend Rüstzeug und Selbstvertrauen in meinen Körper habe um nicht wieder eine Etage tiefer in meine ES zu rutschen. Bin ich doch gerade erste ein paar Stufen rausgekrochen.

 

Plötzlich spielt die Essensauswahl wieder eine viel zu große Rolle. Mein Mann hat sich für heute Abend Pfannkuchen gewünscht. Ich werde heute Abend nicht meinen Lieblingspfannkuchen mit süßen Belag essen, weil mir meine ES das nicht erlauben kann. Kein Sport - kein Ausgeich --> kein Pfannkuchen mit zuckerfreier Schokocreme.

 

Es wird eine Vernunftentscheidung werden. Pfannkuchen mit Tomate-Moraella überbacken und danch evlt. noch etwas körniger Frischkäse mit frischen Erdbeeren. Aber mit Sicherheit kein Pfannkuchen mit Schokocreme oder Himbeermarmelade.

 

Den geliebten Müsliriegel, den ich seit Wochen jeden Tag als Zwischenmahlzeit esse - gestrichen. Die Angst zuzunehmen ist groß und real, weil ohne Sport ja auch weniger Kalorien verbrannt werden.

Die nächste Zeit wird mein Essen nur noch eine Vernunftentscheidung werden und keine Entscheidung des Geschmacks alleine. Es muss schmecken, das ist schon mal klar. Aber wenn zwei Dinge mir gleich gut schmecken, werde ich mich die nächste Zeit für das Kalorienarmere entscheiden und nicht wie sonst, für das worauf ich gerade Apettit habe.

 

Tja, willkommen im Leben einer ES. So ist das. Und was bin ich froh, das ich morgen durch Zufall meine Therapiestunde habe.

 

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