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1000 kl. Schritte geben auch ein Wunder

Die letzten Tage habe ich mich im Hintergrund mit einer lieben Forianerin ausgetauscht. Sehr geerdet, geht den Weg der Schlauchmagen-OP und den des MMKs sehr offen und mit Bedacht an.

Beim Schreiben und Austauschen kann ich Dinge für mich gut neu durchdenken. So auch dieses Mal. Und ich habe während des Schreibens festgestellt, das mein jetztiges Verhalten für mich einem unerwarteten Wunder gleicht. Nie erwartet, nie davon geträumt und trotzdem darf ich dieses Wunder gerade selbst erleben.

 

Ich Heute und Ich vor 9 Jahren, wir haben nichts gemeinsam außer den Sturschädel und die Willensstärke, wenn ich was wirklich will.

 

Vor über 9 Jahren habe ich:

  • groß getönt das ich so bleiben will, wie ich bin
  • das Sport defintiv Mord ist
  • mein Bewegungsloses Leben auf dem Sofa bis auf mein Blut verteidigt
  • habe Chips, Flips und Schokolade gut und gerne gegessen
  • fand mich schön, so wie ich war (was damals auch wirklich so war)
  • fand mich supertoll, wenn ich 2 Wochen am Stück etwas Sport gemacht habe und dann eine jahrelange Pause ohne Sport hatte
  • wollte auf nichts verzichten, was essen anging, war aber auch nicht bereit meinen Geschmack zu hinterfragen

Wenn ich mich mal 2 Wochen lang für ein paar Minuten am Tag zum Sport aufgerafft habe, dann fand ich mich damals echt schon megasportlich. Mehr konnte und wollte ich mir nicht vorstellen. Das ging einfach über mein damaliges Vorstellungsvermögen hinaus.

 

Immer wieder fing ich radikale Diäten an und das am Besten von jetzt auf gleich. Versuchte einen Deal mit Gott zu schliessen (wie hochmütig von mir), das ich sofort abbnehme, wenn er meinen Kater damals wieder gesund macht. Der Kater wurde gesund, auch ohne das ich abnahm. Den an meinen Deal habe ich mich natürlich nicht gehalten.

 

Nach jeder gescheiterten Diät tönte ich groß rum, das ich nie wieder Diät mache und ich mich jetzt so wohl fühle, wie ich gerade bin. Ich war auf alle Fälle sehr selbstbewusst und das war und ist gut so. Es hat mich nie gestört in die Sauna zu gehen, egal welches Körperformat ich gerade hatte, darum bin ich unendlich dankbar.

 

Und trotzdem hat diese Frau von damals so überhaupt nichts mit der Frau von Heute zu tun. Mein Zwangspause und der Austausch heute Vormittag haben mir das mit einem Bämm ins richtige Bewusstsein gebracht.

 

Ich vermisse den Sport wirklich. Also nicht den Sport im Allgemeinen, sondern ganz im speziellen die Minuten mit meinem HulaHoop Reifen. Ich höre oft Musik bei der Hausarbeit und bis letzte Woche, wenn mich eines der Stücke mitriss, habe ich einfach den Reifen packen müssen und alles andere stehen gelassen. Einfach nur den Reifen mit der Musik gemeinsam zum schwingen zu bringen. Draußen im Hof mit der Musik im Ohr zu tanzen und dabei den Reifen zu beherrschen. Es war wie ein Gefühl von Fliegen teilweise. Es geht mir wirklich ab, ich vermisse es von Herzen. Nie hätte ich mir vorstellen können, das es die "eine Bewegung" gibt, die ich mal von Herzen vermisse. Manchmal wache ich Nachts auf und frage mich, wann hell wird und ich mit dem Reifen zur Musik tanzen kann.

 

Ja, ich bin frustig und ja ich habe wirklich Schiss, das ich zunehme. Seien wir ehrlich, ich werde auch das ein oder andere Pfündchen zunehmen, weil die Bewegung im allgemeinen gerade fehlt. Und weil mir das fehlt, habe ich jetzt auch mehr Zeit und auch Frust, das ich mit Essen fülle bzw. kompensiere. Ich versuche da wirklich milde zu mir zu sein, weil das auch wieder vergeht.

 

Den neben dem Tanzen mit dem Reifen, sehne ich mich auch immer nach frischem, gesunden Essen. Obwohl ich gerade öfters grase, ist es keine Lust auf Chips oder Schokolade. Ich habe meist Lust auf frisches Obst oder eine Scheibe von meinem selbstgebackenen Brot oder zuckerfreien Cookies. Die Lust auf industriell hochverarbeitete Lebensmittel, die ist nur noch in Spuren vorhanden. Und wenn ich dann mal zu solchen Lebensmitteln greife, dann merke ich sofort, das sie mir nicht mehr schmecken.

 

Das alles habe ich über viele Jahre hinweg mit vielen kleinen Minischritten erreicht. Die haben sich im einzelnen alle so unspektakulär und unbedeutend angefühlt ..... so ein kleines Schritten ist halt auch nicht die große Abnahme oder verändert die Welt nicht ..... denkste. Diese vielen kleinen, unspektakulären Minischritte in den letzten 9 Jahren haben einen komplett anderen Menschen aus mir gemacht.

 

Ich mag mein gesundes Leben inzwischen so sehr, ich vermisse es, wenn mir eine Zwangspause erteilt wird. Ich vermisse es, wenn ich denke ich will essenstechnisch einfach mal ausbrechen.

 

Und trotzdem breche ich immer wieder aus, weil ich vergesse wie gut mir mein neues Leben gefällt. Weil ich mir auch selbst anscheinend immer wieder beweisen will, das ich ein tolles, gesundes, bewegtes neues Leben habe.

 

Rückblickend betrachtet ist das was ich jetzt Lebe ein Wunder. Mein eigenes kleines Wunder! Und dafür bin ich dankbar. Das ist mir Heute so gekommen - mein Wunder!

 

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