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Die Waage - Das Maß aller Dinge?

Ich weiß gar nicht wie ich anfangen soll, weil mir zu dem Herzensthema viel im Kopf umhergeht.

 

Ausgelöst durch einen Forumsbeitrag eines liebgewordenen Forenmitglieds, wurden bei mir Erinnerungen wach.

 

Vor einigen Jahren war ich in einer Klinik für Essstörung und die haben sich auch auf mein genetisches Gewicht gestürzt. Ich musste einen Gewichtslebenslauf von mir erstellen, das Gewicht meiner Eltern und Geschwister angeben. Dann haben sie noch ein paar Werte von mir genommen, weiß der Geier was und daraus haben sie dann mein genetisches Gewicht bestimmt.

 

Bei mir kamen so um die 60 - 65 kg bei meiner Körpergröße von 154 cm raus. Ein Schlag in die Magengrube für mich und pure Panik, die sich damals dann wieder in mir breit gemacht hat. Ich kam nicht von knapp 100 kg auf mein Tieftsgewicht von 48 kg um dann wieder auf über 60 kg zu landen.

Ein aboslutes NoGo und auf keinen Fall für mich zu aktzeptieren gewesen.

 

Ich muss dazu sagen, das ich zu der Zeit schon wieder ein Gewicht von irgendwas zwischen 54 und 58 kg hatte. Ich empfand mich damit also zutiefst "fett" (schreckliches Wort das ich für mich selbst da verwendet habe) und als ziemlich große Versagerin. (auch das versuche ich heute zu vermeiden, den zu meiner besten Freundin würde ich das auch nicht sagen sondern sie aufbauen).

 

Aber egal, darum geht es nicht. Es ging mir darum, wieder mein Tiefsgewicht zu erreichen und ich dachte, die in der Klinik bringen mir bei, wie ich auf eine gesunde Art und Weise mit den normalen Gewichtsschwankungen umgehen kann. Also, das wenn ich mal wieder 2 oder 3 Kilos mehr auf den Hüften habe, wie ich die dann gesund abnehme, ohne die in mir bekannte Extreme zu verfallen.

 

Gut, wir wissen nun, das war weit gefehlt und man brachte mir bei: Buttercremetorte zu essen, auf jedes Brot Butter zu schmieren und mind. 6 mal am Tag was zu essen. Das brachte mir am Ende jede Menge Kilos mehr ein und einen BMI von um die 28, glaube ich mich zu erinnern.

 

Zu Beginn von Corona habe ich dann unbewusst und ohne tiefere Absicht dahinter die Reißleine gezogen und mich dem Intervallfasten verschrieben. Zu Beginn ganz klar immer noch den quälenden Gedanken in der Hinterhand, so wieder zumindest auf ein Gewicht nicht mehr als meine Körpergröße zu kommen, im Idealfall sogar etwas darunter. Kurzum, ich erhoffte mir zu Beginn das ich wieder irgendwas zwischen 54 und 52 kg wiegen werde.

 

Das Intervallfasten viel mir irgendwann sehr leicht und ganz von alleine dehnten sich die Fastenpausen von 16 auf 18 Stunden aus. Hatte ja keinen Hunger oder wenn dann nur leichten Hunger. Dann fing ich wieder an, meine Nahrung während der Essphasen zu reduzieren. Zum Glück für mich noch im gesunden Bereich, aber nicht in einem dauerhaft durchhaltbaren Bereich. Ich aß also in den HardCoreZeiten 2 Mahlzeiten am Tag und gut wars. Damit nahm ich wunderbar ab und ich fühlte mich voller Energie. Zusammen mit Sport eine absolute Wunderwaffe.

 

Als ich dann ein Gewicht von 54 (habe sie mal kurz auf der Waage gesehen) erreicht hatte, bekam ich plötzlich unsagbaren (Heiß)hunger, der kaum zu stillen war. Das war das erste Mal, wo ich aus den Fastenphasen ausbrach und mir das nicht erklären konnte. Lief doch alles super, warum dann also Abends plötzlich der Heißhunger?

 

Es kamen also wieder ein paar Kilos drauf und dann war diese Gier nach extra Essen auch wieder wie von alleine verschwunden. Was aber jetzt nicht heißt, das ich daraus meine Lehren gezogen hätte. Ich konnte das Große Ganze irgendwie noch nicht überblicken.

 

Wieder lief das Intervallfasten über Monate richtig gut und ich musste außerhalb meines Fastenfensters nicht ans Essen denken. Mein Fastenfenster war weiterhin die mind. 16 Stunden, war aber immer auf mich selbst stolz, wenn ich drüber hinaus bin. Zumindest hielt ich jetzt wieder meine 3  - 4 Mahlzeiten ein und das Gewicht pendelte sich ohne Probleme auf 55 - 56 kg ein. Schwere seelische Kost für mich, also reduzierte ich wieder etwas. Da mal das austauschen von Sättigungsbeilage gegen Gemüse, dort mal den Käse weglassen. Also kein Verzicht auf ganze Mahlzeiten, sondern das gezielte Austauschen von einzelnen Komponenten. Immerhin schon etwas gemässigter und schlauer.

 

Und wieder kam wie aus dem Nichts der Heißhunger. Wohl auch angefacht durch die Eiweißriegel, die ich ein paar Wochen lang gegessen habe, um meine Eiweißwerte wieder höher zu bekommen. Und wieder stieg mein Gewicht auf 56 bis 57 kg. Ein Albtraum für mich als Mensch, der mit einer Essstörung lebt.

 

Und dann las ich gestern Abend noch einen Forumsbeitrag von einer mir sehr liebgewordenen Frau. Sie kämpft und ist verzweifelt. Sie verzichtet auf KH und kommt immer wieder zurück zu einer Ernährung, von der ihr nach ein paar Tagen der Ekel ins Gesicht geschrieben steht. Und das alles wegen einer Zahl auf der Waage. Dabei ist diese wirklich tolle Frau eh schon im unteren Bereich ihres BMIs angelangt, wenn ich noch auf dem Laufenden bin. Aber selbst wenn nicht, die Frage die sich mir stellt: ist eine bestimmte Zahl auf der Waage das alles wert?

 

Auch ich muss mir diese Frage nun stellen. Von meinem vermeintlichen Traumgewicht 52 - 54 kg habe ich mich zum Glück schon verarbschiedet. Dieses zu Halten würde für mich nämlich bedeuten, das ich zu wenig esse. Ich würde unter meinem Bereich leben, das mein Körper braucht um dauerhaft gesund zu bleiben.

 

Intervall ist gut für mich, es bremst den körperlichen Heißhunger aus, wenn ich es nicht übertreibe. Auch wichtig ist für mich: 3 - 4 Mahlzeiten am Tag und alles muss auf den Teller, sonst fordert mein Körper nach ein paar Monaten vehemment ein. Mein Körper kommt dann anscheinden in ein Nährstoffdefizit, sonst würde er nicht wie verrückt bestimmte Nährstoffe einfordern.

 

Wenn ich unbesorgt esse, zwischendurch meinen zuckerfreien Kuchen habe, auch mal meine NiceCream habe und auch so esse, worauf ich Lust und Laune habe. Jo, dann pendle ich mich auf ein Gewicht von 55 - 57 kg ein und die halte ich dann auch ohne mit der Wimper zu zucken. Jetzt stellt sich mir die Frage: Gibt es anscheinend wirklich so etwas wie das genetische Gewicht. Ein Gewicht, das der Körper für sich selbst als Gesund empfindet, wo er am Leistungsfähigsten ist und das er immer wieder versucht zu erreichen?

 

Seit fast einer Woche esse ich wieder alles worauf ich Lust habe, mein Gewicht stabilisiert sich wieder bei den 55-57 und ich verspühre keinen Heißhunger. Anscheinend ist mein Körper so wie er sich jetzt ernährt gut und stabil versorgt. Ich sollte also genau diese Ernährung beibehalten und nicht wieder anfangen, dort was zu cutten, da noch was zu tauschen und, und, und.

 

Es ist schwer für mich zu begreifen und trotzdem ist es auch wie ein ganz großes AHA gerade. Ich muss lernen, das das war mein Kopf und mein Herzenswunsch will, nämlich diese dummen 52-54 kg, nicht das sind, was mein Körper als gesund erachtet. Und jedes einzelnen Mal, wo i ch wieder unter die 55 komme, sagt mir das mein Körper mit aller Kraft des (Heiß)hungers an.

 

Erst jetzt, wo ich hier darüber schreibe, merke ich, wie doof ich war und wie lange ich dazu gebraucht habe, um das endlich zu kapieren. Mein Körper findet die 52-54 einfach Scheisse und fühlt sich damit auch nicht gut genug versorgt. Um mich gut genug zu versorgen und alle Nährstoffe, Micro- und Macronährstoffe, Vitamine und Co. in ausreichender Form zu mir nehmen zu können, muss ich eben soviel essen, das ich immer wieder auf die 55-57 kg komme.

 

So! Dann sollte ich das jetzt mal kapieren. Mein Körper hat keinen feenhaften Körperbau für mich vorgesehen, sondern einfach einen athletischen mit einem breiteren Hintern. Er braucht als das anscheinend, um gesund für mich zu funktionieren. Besser ich sehe das jetzt ein und arbeite mit ihm im Team.

 

Insofern hat mir dieser Beitrag gestern, so sehr er mich auch traurig macht, weil man von außen nur zusehen kann, wie sich ein Mensch mit einer Zahl auf der Waage quält, die der eigene Körper zur Gesunderhaltung nicht will .... so sehr hat mir dieser Beitrag einfach selbst eine Erkenntnis eingebracht.

 

Sei keine Zahl auf der Waage - du bist soviel mehr. Sei gesund, sei fröhlich, sei Leistungsstark. Und wenn du all das sein willst, musst du deinem Körper die Hand reichen und ihn mit dem Versorgen, was er dazu braucht. Und wenn er dann damit 3 oder 4 Kilo mehr, als ein (Alb)Traumgewicht wiegt, dann ist das am Ende kein Drama. Ein Körper will von alleine nämlich auch nicht zuviel wiegen und schwer übergewichtig werden. Also brauchst du davor im Grunde auch keine Angst haben.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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