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Wenn es nicht "Mit" funktioniert .....

geht´s dann auch ohne?

Bei dem Thema Anti-Depressiva fühle ich mich so ziemlich alleine auf weiter Flur.

Es ist für viele einfach immer noch das Mittel erster Wahl. Und aus eigener Erfahrung kann ich nur sagen: Nein! Das ist nicht immer so.

 

Folgende Anti-Depressiva habe ich in unterschiedlichen Kombination und Dosierungen unter Aufsicht von mehrere Ärzten in den letzten Jahren ausprobiert. Die Liste ist in keiner bestimmten Reihenfolge, weil ich irgendwann den Überlick verloren habe:

  • Opiramol
  • Duloxetin
  • Mirtazapin
  • Quetiapin
  • Promethazin
  • Stangyl
  • Trimiparin
  • Citalopram
  • Amitripitylin

 

Ich weiß nicht, ob irgendein Medikament in dieser Liste gerade fehlt. Wie schon geschrieben, ich habe in den letzten 6 Jahren den Überblick verloren. Was ich weiß, das allererste Medikament weiß ich nicht mehr, den das ist inzwischen 20 Jahre her und hat bei mir schlimme Suidzigedanken ausgelöst, so das ich es nach wenigen Tagen Einnahme ohne noch jemals wieder diesen Arzt zu sehen, alleine abgesetzt habe.

 

Dieser Arzt hat mich damals nicht darauf aufmerksam gemacht, das es zu einer schlimmen Erstverschlimmerung kommen kann. Ich bin in diesen paar Tagen ohne Unterlass durch meine kleine Wohnung getigert und habe immer wieder aus dem Fenster gestart. Ich habe mich gefühlt, wie ein kleines Menschlein, das jemand bei tosendem Strum die die dunkelgrau See geworfen hat. Über mir nur dunkle Wolken, unter mir das tiefe dunkle Wasser mit riesigen Wellen, die immer wieder über mit zusammenbrechen. Zum Atmen hat man mir damals nur einen Strohhalm gegeben, so das ich noch etwas Luft bekam, wenn die Wellen über mir zusammen brachen.

 

Das war exakt das Bild, das ich über Tage unter Einnahme meiner ersten Anti-Depressiva ständig in meinem Kopf hatte. Ich hatte Angst und habe immer an Suizid gedacht. Ich weiß noch genau, das einzige was mich davon abhielt, war der Gedanken das sich niemand um meine Katzen kümmern würde und sie dann zurück ins Tierheim müssten. Mag sein, es klingt bescheuert, aber ich bin Gottfroh, das ich mir ein paar Monate vorher eben diese Tiere aus dem Tierheim geholt habe. Sie haben mein Leben gerettet, was eigentlich die Aufgabe der Medikamente sein hätte sollen.

 

Ich ging dann kurze Zeit später zu meinem damaligen Hausarzt der mir Stangyl verschrieben hat. Somit konnte ich nun wenigstens Nachts Ruhe finden. Das ich den ganzen Tag wie in Zombie herumlief, hat mich damals wenig gestört, den ich war arbeitslos und habe damit viel Zeit verschlafen.

 

Irgendwann hatte ich mich aufgerappelt und es ging wieder. Aber schon ein oder zwei Jahre später hatte ich die nächste Depressive Episode und dieses Mal ging nichts mehr. Ich wurde erneut zu einem Psychiater überwiesen und er sagte mir ziemlich schnell: entweder sie gehen in eine Klinik oder ich kann sie nicht weiter krankschreiben, dann bekommen sie kein Arbeitslosengeld mehr.

 

Ich ging also in eine Klinik und musste jeden Abend unter Aufsicht und Mundkontrolle erneute Stangyltropfen und andere Medikamente nehmen, von denen ich bis heute den Namen nicht weiß. Ich war den ganzen Tag ein müder Zombie der kaum aus dem Bett kam, hatte aber die Pflicht und Aufgabe von Montag bis Samstag schon um 7:00 Uhr bei der ersten Therapie zu sein. Sonntags durfte man bis 7:00 Uhr liegen bleiben. Nach 4 Wochen habe ich mich selbst entlassen, ich habe mich aus der Klinik heraus erneut beworben, weil ich in der Klinik näher am Zusammenbruch war, als zu Hause.

 

Ich hatte danach viele Jahre Ruhe und wenn dann, nur kleine Episoden, die nach mehrerer Wochen alleine gingen. Vor fast 7 Jahren kam der erneute und schlimmste Zusammenbruch - schwere, rezidvierende Depression. Und damit lebe ich bis heute. Mal gibt es gute Tage, mal gibt es schlechte Tage, aber nichts ist von Dauer. Ich war seitdem in verschiedenen Kliniken und Psychiatrien und kam jedes Mal schlechter wieder heraus, als ich reinging.

 

Die einzige Konstanze in den letzten Jahren war hochdosiertes Johanniskraut, auf das ich immer wieder zurückkomme. In der Tagespsychiatrie habe ich in der Stunde "Psychoeduktion" den Arzt gefragt, warum ich mich trotz Medikamente so schlecht fühle. Da kam dann ganz lapidar: Nicht bei jedem Menschen schlagen Medikamente gleich gut an.

 

Aha!

Egal welches der Medikamente ich in welcher Dosierung und in welcher Kombination oder als alleiniges Präperat auch eingenommen habe - keines hatte eine positive Wirkung!

Aber sie hatten alle eklatante Nebenwirkungen bei mir.

 

  • Orientierungslosigkeit, bis hin zur Suche meines Autos auf dem Supermarktparkplatz
  • schwere Konzentrationsstörungen (trotz Liste Lebensmittel beim Einkaufen vergessen)
  • plötzlich auftretende Gedächtnislücken, die erst Monate nach dem Absetzten verschwanden
  • Mundtrockenheit
  • Kopfschmerzen
  • Dauermüdigkeit (ich habe viele Nachmittage meines Lebens verschlafen seit dem)
  • Gereiztheit bis hin zur Aggression
  • Gefühlskälte
  • kein - und ich meine KEIN Sexualleben mehr
  • die schlimmsten und häufigsten Suizidgedanken

 

Ich habe viel recherchiert und habe inzwischen eine Mischung aus täglich:

Laif900 (Johanniskraut - verschreibungspflichtig und 30%iges CBD Öl

 

Und bei Bedarf und sehr hoher Anspannung: CBD-Liquid 1500 mg für meine eZigarette.

 

 

Allgemeingültige Aussagen wie:

  • geht mal spazieren oder an die frische Luft
  • mach einfach mehr Sport
  • mir geht´t auch mal schlecht
  • ich war auch schon mal ne Woche depressiv
  • das ist das schlechte Wetter
  • stell dich nicht so an, ich habe auch Probleme

Kann ich allesamt widerlegen.

 

  • ich bin Sommer wie Winter, bei Sonnenschein und Regen und auch im Urlaub depressiv
  • ich gehe jedes Wochenende Wandern
  • ich gehe 1mal pro Woche in die Sauna
  • ich gehe 2mal pro Woche ins Fitnessstudio
  • ich meditiere
  • ich bin sehr diszipliniert im Haushalt und Garten
  • ich pflege mich und lasse mich nicht gehen

 

 

Diese Woche hatte ich:

  • Montag. Psychiater
  • Dienstag: Fitnessstudio
  • Mittwoch: Psychotherapie
  • Donnerstag: VDK Gespräch wegen der Verlängerung meiner vollen Erwerbsminderungsrente
    und Auszeit in der Sauna
  • Freitag: Fitnessstudio

 

Ich bin platt und würde am liebsten den ganzen Tag schlafen. Gleichzeitig fährt mein Hirn nicht runter, weil sich diese Wochen viel um den erneuten Antrag bei der Rentenversicherung gedreht hat. Ich sitze vor einem Haufen (wortwörtlich) Medikamentenpackungen, weil ich gerade wieder neben dem Laif auch noch Tabletten und Bedarfstropfen nehmen soll. Alles, aber auch wirklich alles sträubt sich in mir.

 

Ich will das nicht!

Ich mag das nicht!

Ich hasse das!!!!

 

Es geht mir damit sehr, sehr schlecht. Ich bin mit Medikamente erneut in der Suizidschleife gefangen. Ich hasse das so unendlich. Und doch ..... nimmst du keine Medikamente verweigerst du die Therapie. Verweigerst du die Therapie - willst du nicht gesund werden. Verweigerst du die Therapie - dann bekommst du KEINE Rente!

 

Versteht mich nicht falsch, ich nehme Medikamente. Habe ich schlimme Kopfschmerzen, bin ich erkältet .... ich nehme das. Brauche ich Antibiotika, dann schlucke ich sie natürlich und ohne Diskussion. Springt meine Bandscheibe mal wieder raus, klar lasse ich mir Spritzen geben und nehme die Entzündungshemmenden Tabletten. Das macht natürlich alles Sinn für mich.

 

Aber wo ist der Sinn, wenn ich Tabletten für einen Rentenantrag nehmen soll, die all die Nebenwirkungen oben verursachen und überhaupt keinen Nutzen haben.

 

Ich habe ohne diese Medikamente zwar immer noch die Depression, bin aber zumindest geistig fit und haben keine dauernden Suizidgedanken. Dieses System, was Depression und Medikation anbelangt, es gehört auf den Prüfstand gestelle! Es sollte KEIN Zwang sein. Anti-Depressiva kann vielen Menschen eine wirklich gute Hilfe sein. Aber es darf nicht zur Messlatte werden für alle Menschen. Manchen Menschen - MIR - geht es unter der Einnahme von Anti-Depressiva deutlichst schlechter. Hier muss dringend ein Umdenken stattfinden!!!!!

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Anette Mechler (Montag, 22 November 2021 15:41)

    Vielleicht gehörtst du zu dem kleinen Prozentsatz an Menschen die Resistenz gegen Antidepressiva sind. Da nützt es nichts wenn man sie täuscht. Es wird nicht helfen liebe Grüße