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Zeit, Zeit, Zeit ist das Beste was ich habe

Ich kann es jedem nur mal empfehlen, es ist soooo so gut, wenn man nur noch selten Online ist.

 

Ich habe plötzlich soviel Zeit zur Verfügung, das ist klasse. Ich habe es also echt übertrieben, das machen zum Glück nicht alle Menschen. Aber ich war viel zu viel in den sozialen Medien und in Foren unterwegs.

 

Wußte ich Anfangs ehrlich nicht, was ich plötzlich mit der vielen freien Zeit anfangen sollte, vergehen jetzt die Tage wie im Fluge.

 

Ich habe es uns hier winterlich gemütlich gemacht. Bin mit dem Plätzchen backen fertig. Habe heute den Christstollen gebacken und die letzte Ladung Lebkuchen aus dem Ofen geholt.

 

Jetzt müssen Lebkuchen und Christstollen nur noch den Überzug und den zuckerfeien Puderzucker bekommen und fertig ist das Ding.

Ich habe in den letzten Wochen gelernt, meine Kaffeepause zu zelebrieren. ;-)

 

Morgens gibt es nur noch 1 Tässchen und am Nachmittag dann das Zweite. Und zwar ohne Ablenkung von außen. Kaffee frisch Malen, den Siebträger anwerfen, die Milch schäumen und dann den frischen Kaffeeduft geniessen. Herrlich.

 

Neben der ganzen Weihnachtsbäckerei und Dekorierei bin ich viel am Lesen. Und die Stunden im meinem Hörbuch-Abo sind steil nach oben geschnellt. Am liebsten Thriller mit viel Spannung und Blut. Der vorletzte war ein etwas angestaubter Thriller mit britischen Humor. Ganz nett - aber ich mags blutig, hab ich gemerkt.

 

Ich habe auch wieder meine Malstifte hervorgekramt. Die schönen Glitzerstifte .... und Mandalabücher. Neben dem entspannten Malen lässt es sich hervorragend blutige Thriller hören.

 

Irgendwie pervers, oder? Die Glitzermandals zum entspannen und nebenbei blutrünstige Thriller hören.

 

Gestern war ja auch wieder Therapiesitzung, war eine heftige Nummer für mich, aber nichts, was ich nicht abkönnte.

 

Mein Unterbewusstsein hat eine ganze Menge Notfallprogramme im Laufe meines Lebens für mich installiert, von denen ich doch eine Menge loswerden möchte.

 

Eines davon ist das Notprogramm: " ich beweise dir, das du die Rente verdienst" und das andere ist das "du bist den faule Sau, schau das du gesund wirst und endlich wieder arbeitest".

 

Ich boykottiere damit meine eigene Heilung. Was ein Schwachsinn, den ich da veranstalte.

 

Das erste Programm läuft immer so ab:

Ich laufe zu Höchstform auf, wie der Duracellhase durch den Alltag, nur um dann ein paar Tage später in mich zusammenzufallen und mir selbst sagen zu können: siehste wohl, du kannst gar nicht mehr normal arbeiten, du hängst wie ein Schluck Wasser in der Kurve.

 

Das zweite Programm ist dann im ungefähren so:

Ich beschimpfe mich innerlich selbst als faule Sau, weil ich so schnell müde und geschafft bin. Ich glaube mir nicht, das ich Depressionen habe. Meine Therapeutin hat mich gefragt, ob ich, wenn mein Mann depressiv wäre, nicht auch nachsichtig mit ihm wäre. NEIN; wäre ich nicht. Denn wenn ich es bei mir schon nicht glaube und ich denke, das ich mir und der Welt was vorspiele, warum sollte ich dann ihm oder jemanden anderen glauben.

 

Depression kann man einfach nicht beweisen. Weder beim Rötngen noch in der Röhre, noch bei einem Szinitgramm oder bei einem Blutbild. Da gibt es einfach keine reelen, anfassbaren Beweise einer Depression. Klar, der Stoffwechsel im Hirn kann verschoben sein, aber eben nur "kann".

Und so zweifle ich auch immer wieder und sehr oft an mir selbst und ob ich mir und der Welt nichts vormache, nur damit ich die volle Erwerbsminderungsrente bekommen.

 

Warum auch nicht, für die meisten ist Depression nichts greifbares. Jeder ist mal traurig, jeder hat mal schlechte Tage. Vielleicht ist es nur das und ich habe halt schlechte Jahre. ;-) Den wäre da was, müssten die AntiDepressiva ja wohl auch funktionieren. Tun sie aber nicht ..... wer weiß .... wir arbeiten daran.

 

Und das letzte Mal haben wir mit EMDR eben daran gearbeitet, das ich mir selbst nicht glauben kann und ich das jetzt einfach mal so hinnehmen. Auch gut. Ich nehme es hin.

 

Die Traurigkeit ist auf alle Fälle seit ein paar Wochen so ein Grundrauschen bei mir. Irgendwie da, aber auch nicht da. Ich lauf jetzt nicht den ganzen Tag mit einem miesepetrigen Gesicht durch die Gegend. Als Aussenstehender sieht man mir das überhaupt nicht an. Ich bin ausgesucht höflich, wenn ich einkaufe, mache heiteren Smalltalk mit meiner Lieblingsbäuerin .... biete der Stammbriefzustellerin mit einem Lachen im Gesicht einen Lebkuchen an und mache Witze mit Neffen und Nichten.

 

Also nein, ich bin durchaus gut drauf, nur das Grundrauschen der Traurigkeit, das ist halt tief irgendwo und gräbt sich mehrmals am Tag an die Oberfläche durch. Ist gut auszuhalten und kommt auch wieder anders.

 

Kann auch gar nicht anders sein .... mein Schatz hört im oberen Stock nämlich gerade launigen Jazz und südamerikanische Musik. Da muss die gute Laune ja durch. Ach ja, ich hab seit Tagen einen Ohrwurm, den gebe ich jetzt kurz weiter ....

Dreh deine Lautsprecher auf und lass dich von der sommlich guten Laune einfach mitreißen.

 

 

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